Stücke in deutscher Sprache fest. Trotzdem kommen die vier nicht um das Covern herum, da diese teilweise notwendig sind, um wichtige Erfahrungen im Umgang mit den Instrumenten und im Zusammenspiel zu sammeln. Als Proberaum muss Felix’ Zimmer herhalten. Da gerade Sommerferien sind, können Andy und Felix, die beide noch zur Schule gehen, viel Zeit mit Proben verbringen und so entstehen Ansätze zu ersten Liedern (Leben geht anders, marginal note ). Nach knapp 2 Monaten wird der erste Gig in der Schönbacher Hofeparkbaude gespielt. Grund ist hierbei neben dem Vorstellen der Band auch die Suche nach einem Namen. Also werden den etwa 70 Besuchern Zettel und Stifte ausgeteilt und Ideen gesammelt. Allerdings kommt (sicherlich aufgrund erhöhtem Alkoholkonsums) dabei nichts Brauchbares heraus. Namen wie „die Sternburger“, „die Oberlausitzer Herzverfettung“ oder „die Bettkameraden von Angela Merkel“ entsprechen dann doch nicht den Vorstellungen. Da alle 4 Nichtraucher sind, beschließen sie vorerst das Kürzel „nsg“ („non-smoker gang“) zu verwenden. Kurz darauf entscheidet man sich für „barfuss“, da sich mit diesem Wort Freisein, Bescheidenheit, so ein gewisses „Huckleberry-Finn-feeling“ verbinden lässt.
Langsam geht es auf den Herbst zu und immer deutlicher zeichnet sich der Wunsch nach einem richtigen Proberaum ab. Andy bemüht sich mit Hilfe seiner Eltern und findet in einer Baracke, die teilweise vom Schützenverein genutzt wird, ein Plätzchen. Der Eigentümer verlangt noch nicht einmal Miete. Leider ist die Freude nur von kurzer Dauer. Der Raum zieht viele Jugendliche der hiesigen alternativen Szene an, da unser ehemaliger Schönbacher Jugendclub im Herbst 1999 von Nazis abgebrannt wurde. Ergebnis: nach einer Woche muss die Band den Raum wieder abtreten.
Also geht es erst einmal wieder zurück in das Zimmer von Felix. Aber allen ist klar, dass dies auf Dauer keine Lösung darstellen kann. Sein Vater erwähnt immer wieder, dass sie doch in den Kuhstall von Oma ziehen könnten und da kein anderer Ausweg in Sicht ist, wird es schließlich in die Tat umgesetzt. So fangen die vier Jungs mitsamt engstem Freundeskreis an, den Stall auszurümpeln. Die Wände werden abgehackt, die Decke heruntergerissen und der Fussboden abgetragen. Karrenweise wird der Schutt hinaustransportiert und ein neuer Betonfußboden eingezogen. Das alles kostet natürlich viel Zeit und Geld. Finanziell und tatkräftig wurden die Jungs von Felix’ Vater unterstützt. Mutter sorgte für Speis und Trank. Der Vater von Gregor baut eine tolle Bühne ein, denn das gesteckte Ziel heißt: bis zu Silvester soll der Schuppen beziehbar sein.
So grob wird das auch geschafft und das zweite Konzert kann gestartet werden. Vor etwa 30 Leuten geht das Ganze dann bei Minustemperaturen und Kerzenschein über die Bühne.
Im Jahre 2002 angekommen beschäftigt man sich mit neuen Liedern. Weg von den Coversongs, hin zu eigenem Material und dabei versuchen einen Stil zu finden, das soll das Ziel sein. Allerdings schleppt sich das Ganze, was teilweise auch einfach daran liegt, dass in den kalten Monaten nur sehr wenig geprobt wird, da der Stall nicht beheizt werden kann.
Andy und Felix machen ihren Schulabschluss und verbringen den Sommer mit Partys. Gregor macht eine Lehre und ist oft in Görlitz. Dadurch fehlt auch einfach die Zeit. Auch mit den Konzerten läuft es nicht so recht. Andys Abschlussball im Schönbacher Kretscham und der Auftritt auf dem Antifa Open-Air in Löbau bleiben die einzigen öffentlichen Aktivitäten.
Anfang des Jahres 2003 zeichnet sich ab, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Andy, der mittlerweile eine Lehre als Kfz-Mechaniker begonnen hat, kommt aufgrund mangelnder Freizeit immer seltener zu den Proben und entscheidet sich im Frühjahr für den Ausstieg.
Von da an heißt es erst einmal zu dritt weiterzumachen. Thomas, der bis dahin nur teilweise gesungen hat, muss den Gesangspart nun vollständig übernehmen. Das Fehlen einer zweiten Gitarre wird sehr bedauert. Konzertmäßig tut sich in diesem Jahr allerdings einiges mehr. Der erste Auftritt findet beim Bierathlon in Ebersbach statt. Da Gregor verhindert ist, muss der Vater von Thomas, der einst selbst in einer Band gespielt hat, kurzfristig am Bass eingelernt werden. Der Auftritt ist gerettet. Aufgrund seines Alters und der Tatsache, dass er das gecoverte Lied einer bekannten deutschen Punkband begleitet, wird er natürlich abgefeiert.
Im Juli bewerben sich die drei beim Bandwettbewerb in der Löbauer „Klinik“ und erhaschen den 2. Platz. Preis ist ein Gutschein, der bei einer der dort stattfindenden Cocktailparties aufgebraucht wird.
2004 beginnt damit, dass „barfuss“ sich an dem alljährlich im Zittauer „Emil“ stattfindenden Bandwettbewerb beteiligt und dort den 1.Platz belegt. Der Preis besteht aus drei von den „Emils“ organisierten Konzerten im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien. Das sorgt für einen dringend notwendigen Schub.
Im Februar meldet sich ein Typ per Telefon und erkundigt sich, ob die Band an einem Zweitgitarristen interessiert sei. Es wird ein Termin vereinbart und es stellt sich heraus: wenn jemand dazukommen soll, dann dieser Kerl. Es handelt sich hierbei um Enno, der seinerseits gerade eine Combo verlassen hat und nun nach neuen Gefährten sucht.
Enno bringt frischen Wind in die Band und fördert die Kreativität der anderen drei. Nachdem er sich die Standardlieder angeeignet hat, kann das erste gemeinsame Konzert im Schönbacher Geflügelheim vor etwa 120 Leuten in Angriff genommen werden.
Im Juni des Jahres 2005 schnuppern die vier Jungs zum ersten Mal Studioluft und nehmen im ZK Studio Rennersdorf mit Alexander Meier die erste DemoCD auf. Sie enthält die Songs „niemand weiß“, „Leben geht anders“, „ich fühl mich Nirvana“ und „m*g“. Die beiden letzten Lieder sind neu und zeigen, dass die Band einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht hat. Das Songwriting hat sich verfeinert, die Musik ist farbiger, abwechslungsreicher und ausdrucksstärker geworden. Außerdem wird der Gesang um eine zweite Stimme (die von Enno) erweitert.
Im Herbst bricht Felix aufgrund seines Studiums den im Frühjahr 2003 begonnenen Schlagzeugunterricht ab.
Das lang ersehnte Konzert mit den Chefdenkern findet im Rahmen des „music across the border“-Festivals im Februar 2006 statt. Weitere größere Konzerte folgen: Kommärzbanck Hammerstadt mit RIFU, Horken Kittlitz mit Schwarz auf Weiß, Kulturhaus Beiersdorf mit Duesenjaeger, Oberlausitzer Hausrock mit Astrobugs…
Im März wird das Lied „so“ aufgenommen, welches sich qualitativ deutlich von den vorhergehenden Aufnahmen unterscheidet.
Bei einem Konzert im Begegnungszentrum Großhennersdorf lernt man die drei netten Schotten von WeSeeSophie und deren Manager Marcus kennen, zu welchen eine enge Freundschaft entsteht.
Im Mai findet eine einwöchige Studiosession statt, bei der es allerdings zu einer Reihe von Problemen kommt. Geplant ist die Aufnahme von acht Liedern, welche im Spätsommer als Debutalbum erscheinen sollen. Das Schlagzeug ist eingespielt. Bei der Aufnahme des Basses dringen allerdings immer wieder unerwünschte Nebengeräusche durch. Später stellt sich heraus, dass es sich hierbei um das Klicken des elektrischen Zaunes handelt. Allerdings gehen dafür eineinhalb Tage verloren. Zum Schluss ist nur der Song „Wing Tsun“ komplett fertig. Problem erkannt. Lektion gelernt. Die Spuren der anderen Lieder werden aufbewahrt und sollen bei der nächsten Session Verwendung finden.
Zu „Wing Tsun“ entsteht im Juni nach ca. 50 Stunden Arbeit ein Videoclip, welcher Mitschnitte der vergangenen Konzerte enthält und für erhöhte Aufmerksamkeit im Internet sorgt.
Gregor findet Arbeit in Großschönau. Somit ist das Fortbestehen der Band vorerst gesichert.
Im August feiern „barfuss“ ihren fünfjährigen Geburtstag und wählen dafür den Ort des ersten Konzerts: die Hofeparkbaude. Es ist schön all die engen Freunde da zu haben, die die Band seit ihrer Gründung unterstützen.
Schönbach wird im September 700 Jahre alt. „barfuss“ und Freunde (los schimchos crew) schmücken einen Traktoranhänger, laden Notstromaggregat, Equipment und Leute auf und beteiligen sich musizierend am Umzug. Ein unvergesslicher Tag.
Im Dezember werden die Aufnahmen fortgesetzt. Die aufbewahrten Schlagzeugspuren werden verworfen und es geht noch mal von Null los. Man einigt sich darauf vorerst nur die „alten“ Lieder auf das geplante Debutalbum zu bannen, da sich diese enorm vom neueren Material unterscheiden. Die Songs „empty vie“ und „das Blaue vom Himmel“ werden aus dem Set gestrichen und seitdem auch live kaum noch gespielt. Übrig bleiben sieben Tracks, die nun Stück für Stück aufgenommen werden.
Im Februar 2007 gibt es den ersten Gig außerhalb heimischer Gefilde bei der Semesterabschlussparty in Cottbus. Es wird ein Kleinbus angemietet und erstmalig kommt dieses „on the road“-Gefühl auf, von dem tourende Bands immer sprechen oder singen.
Die Aufnahmen finden an vier oder fünf Wochenenden statt und dauern bis in den März hinein. Anschließend geht es ans Mischen und Mastern. Die Zeit wird allmählich knapp, denn der Termin für die Record Release Party steht fest: 16. Juni 2007. Bis dahin gibt es allerdings noch viel zu tun. April und Mai sind alles andere als stressfrei. Die Titelfolge für das Album ist festgelegt: böser Traum, für einen Freund, niemand weiß, wie wir sind, marginal note, Leben geht anders, kein Teil einer Nazibewegung. Es gibt Verhandlungen mit GEMA, Presswerk und dem ZDF. Das Lied „kein Teil einer Nazibewegung“ soll durch ein 30sekündiges, der Thematik entsprechendes Sample (einer ZDF-Reportage entliehen) eingeleitet werden. Das ZDF möchte dafür jedoch mindestens 500 Euro sehen. Geld, das einfach nicht da ist. Deshalb wird das Stück wieder heraus geschnitten.
Am Tag der Veröffentlichung des Albums geht die neue Homepage online. Ein großes barfuss-Banner ziert von nun an die Bühnen, auf denen gespielt wird. Neben der CD ist erstes Merchandise-Material erhältlich (T-Shirt, Buttons).
Im Juli spielen „barfuss“ eine Mini-Tour (vier Konzerte in drei Tagen). Außerdem wird der Auftritt beim IMF in Rothenburg live mitgeschnitten und neben einem kleinen Interview bei Radio Leo gesendet.
Der Auftritt zur Rocknacht in der Görlitzer Landskronbrauerei vor mehr als 400 Leuten ist der bis dahin größte.
Zum Jahreswechsel 2007/2008 kommt es zum Konflikt zwischen Thomas und Enno, welcher im April in Ennos Ausstieg gipfelt. Mit dieser Entscheidung ist so zwar der Fortbestand der Band gesichert, jedoch steht man damit vor dem Problem einer fehlenden zweiten Gitarre. Unter dem Ausstieg leiden auch die bereits im März begonnenen Aufnahmen für das zweite Album. Thomas spielt Ennos Gitarrenparts selbst ein. Aus finanziellen Gründen kommt die Studioarbeit jedoch vorerst zum Erliegen.
Felix schließt im Januar sein Studium ab und arbeitet als Forschungsmitarbeiter an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH).
Derzeit ist die Band auf der Suche nach einem versierten Zweitgitarristen, den die Musik kickt und der bereit ist sich für selbige zu engagieren. Die Studioaufnahmen sollen so schnell wie möglich fortgesetzt werden.
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